Irgendwie ist es nach wie vor höllisch heiß – man könnts für Sommer halten – und somit wird regelmäßig geprüft, ob sich der Zustand meines Hirns proportional zur Temperatur verhält. Man könnte auch sagen, mein Hirn fühlt sich gerade ziemlich nach Grießbrei an, was diese Sache mit den klaren Gedanken nicht unbedingt vereinfacht. Andererseits passt das zum Album der Woche – also nicht der Grießbrei, aber das höllische Grundthema. Und damit kommen wir direkt zum Thema.
Ich konnte mich mal wieder nicht entscheiden, und weil mehr immer besser ist (außer bei Strafzetteln, Schulden und anderen unnötigen Dingen) gibt es diese Woche gleich zwei Alben der Woche. Beide stammen von einer Band, die vor gut 40 Jahren auf der Bildfläche auftauchte, den zwiefach Gehörnten in den Mittelpunkt stellte und damit Legionen von Bands beeinflusste, sei es thematisch oder vom Songwriting her. Und wenn man von Metallica gecovert und als großer Einfluss genannt wird hat man ja nicht so wahnsinnig viel falsch gemacht. Die Rede ist von Mercyful Fate.
Das Debütalbum von 1983 hatte bereits mächtig Staub aufgewirbelt, nur ein Jahr später erschien der Nachfolger namens „Don’t Break The Oath„. Die musikalische Rezeptur wurde wenig abgeändert, klassischer Heavy Metal der komplexeren Sorte mit vielen Tempowechseln und doppelten Gitarren – quasi die technisch anspruchsvollen Longtracks der frühen Iron Maiden gekreuzt mit der Düsternis von Black Sabbath und garniert mit dem einzigartigen Gesang von King Diamond. Textlich geht es natürlich gemeingefährlich zu, wie schon die Songtitel erahnen lassen.
Die neun Songs des Album sind zur Hälfte episch lang und ausladend, kurz auf den Punkt kommt eigentlich nur Gypsy sowie das Instrumentalstück To One Far Away. Die Highlights sind andere – Nightmare beschreibt einen ziemlich fiesen Alptraum von King Diamond, The Oath ist eine Treueeid auf Satan, Luzifer, Beelzebub, Belial oder wie auch immer man den Knilch nennen mag. Der ganz große Hit kommt ganz am Ende, bei Come To The Sabbath ist der Name Programm, es geht um schwarze Messen, Hexen und alles was da so dazugehört.
Das Album ist nix für Leute, die den Gesang von King Diamond nicht abkönnen, die Texte könnten auch die eine oder andere zartbesaitete Seele verstören, für alle anderen ist die Scheibe einer der wegweisenden Metal-Klassiker der 80er Jahre. Sämtliche skandinavischen Pandabären beziehen sich inhaltlich auf diese Scheibe, und selbst Größen wie Metallica haben sich hier so einiges in Sachen Songwriting abgeschaut.
Ein Jahr später war der höllische Ofen aus, Kind Diamond wandelte auf Solopfaden. Es dauerte bis in die frühen 90er bevor es eine Reunion gab. Im Jahre 1999 erschien das bislang letzte Album unter dem Banner Mercyful Fate, gleichzeitig auch das mit dem kürzesten Titel, da die Scheibe einfach „9“ heißt, weiß der Henker warum – immerhin ist es das siebente und nicht das neunte Album der Bandgeschichte…
Egal, stilistisch haut es in die gleiche Kerbe, ist allerdings deutlich zugänglicher und weniger komplex und damit eigentlich ideal für Einsteiger in Sachen Mercyful Fate / King Diamond. Geboten wird alles von schwerfällig schleppendem Doom bis hin zu wilder Raserei, und inhaltlich gibt es auch wenig Überraschungen: Titel wie Sold My Soul oder Buried Alive oder Burn In Hell oder Kiss The Demon sprechen für sich. Aber auch Last Rites oder Church Of Saint Anne klingen eher nicht nach lustiger Gutenachtmusik, und selbst bei einem Song namens House On The Hill ahnt man, dass es da eher schaurig-düster zugehen wird. Und das Cover ist natürlich eine Hommage ans Debütwerk von 1983 und bringt das Thema Hölle und Satan nochmal wunderschön plakativ auf den Punkt. Mit dem Bild auf dem T-Shirt kann man sicherlich noch so einige Leute verschrecken.
An die kultigen Klassiker der ersten Bandphase in den frühen 80ern kommt das Album je nach Sichtweise wohl nicht ran (zumindest was den Coolnessfaktor und den musikhistorischen Einfluss angeht), aber es braucht sich auch nicht hinter diesen zu verstecken. Nun muss man mal abwarten, ob und wann sie mit einem weiteren Album um die Ecke kommen…

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